Ich detoxe, du detoxt, wir detoxen…

Kaum jemand, der im Moment nicht fastet oder detoxt. Smoothies, Suppen, Kräutertees…die Möglichkeiten scheinen unendlich. Doch am Ende bleibt die Frage: Was bringt es wirklich? Für the.recipettes habe ich mich einem kleinen Selbsttest unterzogen und fünf Tage lang mittels basischer Ernährung gedetoxt. Das Ergebnis? Einfach auf „Weiterlesen“ klicken…

tea

DIE PRÄMISSE 

So wie die Sommerzeit traditionellerweise Artikel zu den Themen „Wie kann ich meine Bräune lange erhalten?“ und „Bikinifigur in 10 Tagen!“ bringt, so kann man sich in der Fastenzeit mittlerweile bereits auf Fasten- und Detox-Beiträge einstellen. Kein Teehaus, das nicht einen sensationellen Detox-Tee verkauft; kein Supermarkt, der nicht den speziellen Detox-Knabberspass bewirbt und kaum ein Instagram-Lifestyle-Account, wo nicht Ananas, Chiasamen und Matchatee in hübschen Grüppchen adrett arrangiert präsentiert werden. Detox ist überall und gehört eigentlich zum guten Ton. Verehrt und gehyped – hat sich mittlerweile eine eigene Produktgruppe rund um dieses Thema entwickelt. Kritische Artikel findet man eher seltener und meistens in Qualitätsmedien. (Ein kleiner Lesetipp wäre dieser Artikel in „Der Presse„.)

Das hat mich neugierig gemacht. Stimmt es was die Anhänger sagen? Fühlt man sich wie neu geboren? Isst man danach anders? Strahlt man wie eine frisch gepflückte Butterblume und hat die Ausstrahlung eines kleinen Buddhas? 

Ich hab’s getestet. buddha

DIE AUSFÜHRUNG

Sucht man im Internet und in Buchläden nach Detox, so findet man recht schnell die richtige Variante für jeden Typ. Aufgrund meines empfindlichen Magens, fielen diverse Saft/Smoothie/Suppen-Kuren gleich aus dem Rennen. Das würde ich keine zwei Tage überstehen. Feste Nahrung ist ein Muss! So fand ich nach kurzem Suchen das Basenfasten. Dieses gilt als schonende Alternative zum klassischen Heilfasten. Die Grundsätze der Kur sind leicht erklärt: Man verzichtet auf alle Säurebildner, die sich in der Nahrung befinden. Dabei entsäuert man den Körper, soll sich generell besser fühlen und kann sogar etwas abnehmen (wobei das für mich nicht im Vordergrund stand). Die Dauer kann von einem Tag bis hin zu mehreren Wochen dauern. Ich entschied mich für knackige fünf Tage.  

Eine umfangreiche Lebensmittelliste könnt ihr HIER finden. Vereinfacht gesagt: Fleisch, Milchprodukte, viele Getreideerzeugnisse und Süßigkeiten sind auf der Verboten-Liste, frisches Gemüse und Obst sind erlaubt. 

Meine Detoxregeln für 5 Tage: 

  • Frisches Obst zum Frühstück
  • Mittagessen auf Basis des Basenfastens, z.B. Gemüse-Kartoffel-Pfanne, Quinoa mit Zucchini und Brokkoli, etc.
  • Spätnachmittagssnack in Form von Obst oder einem Smoothie
  • Dinner Cancelling
  • Kein Alkohol, kein Koffein und keine Säfte – nur Wasser und Kräutertees waren erlaubt. Täglich müssen mindestens 2 Liter getrunken werden.
  • Ausreichend Schlaf (min. 8 Stunden)

Um meinen Ehrgeiz zu beflügeln, hatte ich mich außerdem dazu entschieden, jeden Morgen Ölziehen zu betreiben und setzte auch für die Haut, auf eine tägliche Maske aus Heilerde. Nach der Arbeit war mein Office-Mail-Account tabu und auch die sonstigen Social Media-Plattformen waren nach 19 Uhr Sperrzone – Digital Detox für Anfänger also. tablet

FAZIT

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das kann ich hiermit unterschreiben. Das Schwierigste war sicherlich einige Handlungsmuster aufzubrechen. Zweimal ertappte ich mich dabei entschlossenen Schrittes in Richtung Kaffeemaschine aufzubrechen, bevor ich dann schnell einen Bogen zum Wasserkocher machte. Was mich selber erstaunte: Meinen täglichen Morgenkaffee durch eine Tasse Grüntee zu ersetzen, war recht einfach. Weder war ich müder als sonst, noch hat meine Konzentration darunter gelitten. Einzig der Geschmack hat mir gefehlt.

Auch beim Mittagessen wurde ich täglich satt und hatte nicht das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Da die meisten Gewürze erlaubt sind, hat auch nichts langweilig geschmeckt oder war ungenießbar. Statt am Nachmittag zu Schokolade und anderen Süßigkeiten zu greifen, standen diesmal Obst, getrocknete Cranberries und Smoothies am Plan. Alles war so lecker, frisch und süß, dass ich gar nichts vermisst habe. Eines meiner Lieblings-Smoothie-Rezepte habe ich euch bereits  vorgestellt. Probiert ihn doch gleich mal aus! 

Das Dinner Cancelling ist mir bis auf einen Abend immer geglückt. Das ist aber vollkommen ok, schließlich sollte das ja keine Selbstgeißelung werden. Daher habe ich mir eine kleine Portion Kartoffelpüree gegönnt und war wunschlos glücklich. 

Wesentlich schwieriger fiel mir das Digital Detoxing. Fast schon erschreckend, wie normal es ist, das Smartphone zu schnappen und auf Facebook, Twitter, Instagram und Co zu schauen was die Welt so macht. Stattdessen rief ich Freunde an und habe teilweise eine Stunde mit ihnen telefoniert. Eigentlich viel erfüllender als die Facebook-Timeline zu checken. 

Mein ursprünglicher Plan wäre gewesen jeden Abend zusätzlich Yoga zu machen oder zu meditieren. Tja, falsch gedacht. Erstens war ich zu fertig und zweitens wäre ich spätestens nach der ersten Minute Meditieren eingeschlafen. Ein gemütlicher Abend auf der Couch hat mehr meiner Vorstellung entsprochen. Stattdessen bin ich viel zu Fuß gegangen. couch

Und was hat es wirklich gebracht?

  • Die größte Überraschung: Ich bin jeden Morgen bereits vor dem Wecker aufgewacht. Und das wirklich erfrischt und voller Energie! 
  • Obwohl es nicht mein Ziel gewesen ist, habe ich doch etwas über einen Kilo abgenommen. Und das in nur fünf Tagen. Hätte ich nicht gedacht. 
  • Meine Haut ist sichtbar besser geworden. Das führe ich auf die viele Flüssigkeit zurück, da ist sonst nie die täglichen 2 Liter erreiche. Und die Heilerde-Maske hat sicherlich das ihre dazu beigetragen. 
  • Das Ölziehen werde ich fortführen. Bereits nach der ersten Anwendung war ich begeistert von der Wirkung. Mehr darüber könnt ihr HIER nachlesen.
  • Nein, wie neugeboren fühle ich mich nicht. Dafür war das Detoxing auch ganz schön viel Arbeit und verlangte einiges an Disziplin und Vorbereitung. Für einen entspannenden Effekt müsste man sich wahrscheinlich in ein Kurhotel begeben, wo eine ganze Truppe um das Wohlbefinden von einem bemüht ist. Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht das entsprechende Mindset. 
  • Angeblich strotzt man ja nach Detoxing vor Energie. Das kann ich in meinem Fall nicht behaupten. Auch wenn ich immer erfrischt aufgewacht bin, wurde ich am Abend früher als sonst müde. Und durch mehr Schlaf als sonst, bin ich natürlich auch in der Früh erfrischter aufgewacht. Der Kreislauf des Lebens also. 
  • Die Nebenwirkungen! Das hätte ich nicht erwartet. Am ersten Tag schlimmes Bauchweh und Übelkeit und am dritten Tag ganztägige Kopfschmerzen. Nicht schön!

Meine Tipps

  • Man reiche mir den Terminplaner. Teilt euch die Detox-Zeit ganz genau ein! Da ich während der Fastenzeit auf Naschen verzichte, war für mich sofort klar, dass ich diesen Zeitraum wähle. Mithilfe meines Kalenders habe ich eine freie Woche gesucht und mir diese rot eingekastelt, damit ich keine Abendtermine ausmache. Bei einem Essen mit Freunden hätte ich dem Fasten wahrscheinlich nicht standgehalten. Außerdem war ich am Abend immer recht fertig, daher hätte ich gar nicht die Kraft für Partys und Co gehabt. 
  • Detox kostet Zeit: Eine Viertelstunde Ölziehen in der Früh hier, Smoothie mixen da, Heilerdemaske auftragen am Abend und nicht vergessen das Meersalzpeeling zu benutzen…Detoxen ist Arbeit. Wer da nur Entspannung sieht – chapeau! Beim ständigen Einkaufen, Mixen, Mischen, Schnippeln, Cremen und Trinken war ich teilweise ein bißchen im Stress. Überlegt euch dauer genau was ihr machen wollt und was ihr dafür braucht.

uhr

  • Verzichtet auf Detox-Tee. Been there, done that. Wenn man sich die Inhaltsstoffe durchliest erkennt man, dass es sich um ganz normalen Kräutertee handelt. Da bringt es nichts extra Geld auszugeben. 
  • Wasser Marsch! Es mag ein altes Klischee sein, aber es stimmt. Ihr solltet immer eine Karaffe mit frischem Wasser auf eurem Tisch stehen haben. Ich hätte sonst während der Arbeitszeit vergessen zu trinken. 
  • Selbstgeißelung bringt nichts. Wenn man so einen Hunger hat, dass man schon Bauchweh bekommt, dann bringt es nichts sich selbst zu kasteien. Eine kleine Portion Kartoffelpüree oder Reis ist warm, macht satt, ist säurefrei und beruhigt den Magen. 

Glaube ich daran nun komplett entgiftet zu sein? Nein, wohl eher nicht. Aber gut getan hat es auf alle Fälle. Einen Entsäuerungstag hier und da, werde ich auch in Zukunft einlegen und Digital Detoxing, Ölziehen und Heilerde werden mich auch weiterhin begleiten. 

Wer von euch hat bereits Erfahrungen mit Detoxing gemacht? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Eure Danuta

PS: Alle hier verwendeten Bilder sind von der großartigen Stockphotosite Unsplash

schlussbanner_danuta

8 thoughts on “Ich detoxe, du detoxt, wir detoxen…

  1. Als kleiner Tipp am Rande. Leider sind die meisten Cranberries mit Zucker gesuesst. Bei dm gibt’s jetzt die leckeren Beeren mit der Suesse aus Apfelsaft.

  2. Ich habe gerade eben eine ähnliche Detox Kur gemacht und hatte ebenfalls die ersten zwei, drei Tage starke Kopfschmerzen. Mir hat es vor allem geholfen die Lust auf Süsses einzudämmen und es war eine super Basis um mich wieder mehr nach dem Clean Eating Konzept zu ernähren 🙂

    1. Ja, es ist auf alle Fälle total spannend das auszuprobieren. Bin mir nicht so sicher wie „reinigend“ es tatsächlich ist, aber allein schon, dass es den Gusto auf Süßes eindämmt und ich besser schlafen konnte war es schon wert 🙂

      1. Ja ich bin derselben Meinung, ich glaube nicht dass man mit einer Kur von 1-2 Wochen den Körper total reinigen kann. Was bringt es auch wenn man danach wieder in alte Muster zurück verfällt? 😉 Lieber dauerhaft eine Gesunde und ausgewogene Ernährung 🙂 Liebe Grüsse Sandra

  3. Total interessant. Aber ist doch gut, wenn man abends schön müde ist , kann man auch gut einschlafen. Ich habe jetzt auch zwei Wochen lange in der Woche keinen Kaffee mehr getrunken und muss sagen, ich schlafe viel besser, dafür trinke ich zwar einen schwarzen Tee oder zwei, aber da merkt man mal, was der Kaffee mit einem macht. Jetzt im Urlaub trinke ich auch nur vormittags einen, oder zwei ;-)…die Nebenwirkungen hören sich aber danach an, dass wirklich etwas passiert im Körper und sind vllt ein gutes Zeichen? Digital Detox ist wirklich schwieriger als man meint. Ich zumindest, lege abends mein Handy weg, es gibt abends meine Zeit am Laptop, aber die hört meist auch um 19 Uhr auf. Ich persänlich wäre wohl auf schokoladenenzug 😀 auf der Arbeit liegt immer eine Tafel Zartbitter, immer ein Stück für mein Nachmittagstief, aber wenn ich mitttags spazieren gehe bin ich nachmittags meistens nicht mehr so müde 😉 VLG

Kommentar verfassen